Nach dem Untergang des alten Hauses Königstraße Nr. 1, direkt an der Museumsbrücke, drängte die Stadt
nach Kriegs- ende auf raschen Wiederaufbau oder Verkauf. Sie erwarb das Grundstück schließlich selbst,
weit unter dem späteren Wert.
Nach heißen Diskussionen und einer Kampfabstimmung kaufte der Verein im Jahr 1955 die Villa an der
Campe- straße 10 von den Überlebenden der Familie des jüdischen Eigentümers.
Dies war wohl eine der wichtigsten und weitreichendsten Entscheidungen seit Gründung der Gesellschaft.
Der Verein hatte ein neues Zuhause gefunden.
Die Villa wurde 1898-99 als großbürgerlicher Familiensitz des angesehenen jüdischen Privatbankiers Emil Kohn
im Stil eines Rokokoschlösschens nach den Plänen des Nürnberger Architekten Emil Hecht erbaut.
Das Bankhaus Kohn hatte von 1852 bis 1938 seinen Firmensitz an der Ecke Königstraße/Brunnengasse.
Die Bank war ein wichtiger Geldgeber bei der Industrialisie- rung Nürnbergs und genoss internationales Ansehen.
In der Nacht vom 9. auf 10.11.1938, der sogenannten “Reichskristallnacht”, wurde auch das Anwesen
Campe- straße 10 von Angehörigen der SA völlig verwüstet.
Noch im Dezember gleichen Jahres wurde die Villa “ari- siert”, d.h. zugunsten des Parteivermögens
der örtlichen NSDAP enteignet und von Reichsarbeitsdienst und SS als Dienstgebäude genutzt.
Die Spur der letzten Bewohner verliert sich 1941 in einem Vernichtungslager bei Riga.